Haltung zeigen – wie sich die Buchbranche für Demokratie einsetzt
Zum Mitgliedertreffen am 26. September kamen rund 70 Kolleg*innen in den Innenhof der Regionalgeschäftsstelle nach Düsseldorf.
Erstellt am 29.09.2026
Am 24. September 2026 hatte die Regionalgeschäftsstelle NRW im Börsenverein des Deutschen Buchhandels ihre Mitglieder nach Düsseldorf eingeladen. Rund 70 Vertreter*innen aus Buchhandlungen und Verlagen waren zum Netzwerken gekommen und zum Austausch über die aktuelle Situation in der Buchbranche.
Unter dem Motto „Buchhandlungen sind gelebte Orte der Demokratie“ blickte eine prominent besetzte Gesprächsrunde auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf die Branche. Welche Rolle spielen Buchhandlungen und Verlage in einer Zeit, in der Demokratie, Meinungsfreiheit und Vielfalt besonders unter Druck stehen?
Moderatorin Helga Frese-Resch, Sprecherin der IG Meinungsfreiheit und Stellvertretende Verlegerin bei Kiepenheuer & Witsch, stellte in den Mittelpunkt ihrer Fragen, was es heißt, Haltung zu zeigen, und welche Rolle die Gesellschaft dabei spielt.
Börsenvereinsvorsteher Sebastian Guggolz verdeutlichte noch einmal, wie wichtig es ist, die eigene Haltung nach außen zu vertreten. Die Reaktionen nach dem Aufsehen um die Vergabe des Buchhandlungspreises haben ihm gezeigt, dass das entschiedene Eintreten für die drei ausgeschlossenen Buchhandlungen richtig war und so auch der Einsatz des Haber-Verfahrens bei der Vergabe des Verlagspreises verhindert werden konnte.
Dass die rechtlichen Verfahren deutlich länger dauern, erklärte Rechtsanwalt Dr. Jasper Prigge. Er vertritt unter anderem die Buchhandlungen Zur schwankenden Weltkugel (Berlin), Rote Straße (Göttingen) und Golden Shop (Bremen) im Verfahren um den Buchhandlungspreis. Hier sei noch keine Entscheidung gefallen. Die wachsende Anzahl an Klagen auf dem Gebiet der Diffamierung zeigt allerdings, dass sich das gesellschaftliche Klima verändert und verschlechtert hat. Aber man sei bereit und gut aufgestellt, um die demokratischen Grundsätze zu verteidigen.
Buchhändlerin Elisabeth Evertz, Inhaberin der Buchhandlung Scheuermann in Duisburg, führte hingegen aus, was in der Branche und Gesellschaft zusammen bewegt werden kann. Gerade in Duisburg den Umzug mit den Kund*innen vollzogen, durften sie erleben, „dass etwas Großartiges entsteht, wenn Menschen gemeinsam etwas Schönes erschaffen, das über den Zauber des reinen Buchhandels hinausgeht.“
Evertz betonte, dass sie die Sehnsucht der Menschen nach Verbundenheit spüren: „Wir sind froh, dass wir die Möglichkeit haben, kreativ Impulse geben zu können, die uns alle zugutekommen können.“ Gemeinsam mit ihrer Co-Inhaberin Anke Johannsen hat sie Aufkleber gestaltet „Safe Space für Menschlichkeit und Vielfalt“, die zum Download zur Verfügung stehen, und mittlerweile bundesweit von Privatmenschen, Einrichtungen und Geschäften an Türen und Autos angebracht wurden.
Berîvan Aymaz, Abgeordnete der Grünen und Vizepräsidentin des Landtags Nordrhein-Westfalen ergänzte die Runde um die politische Einordnung: „Wer Demokratie stärken will, muss auch Orte der Bildung, der Begegnungen und des kritischen Austauschs fördern. Dies muss sich aber klar von einer politischen Einflussnahme abgrenzen.“ Aymaz versicherte, Buchhandlungen stärker in den Blick zu nehmen.
Trotz herbstlicher Temperaturen gingen die Gespräche unter den Kolleg*innen im Anschluss weiter. Sie tauschten Erfahrungen aus und diskutierten, wie auch „im Kleinen“ Demokratie gelebt werden kann.
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